28Apr
2017
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Mama Kerstin drückt die Schulbank

Eigentlich benötigt man in Penang kein Malaysisch, doch ab und an kommt man auf Englisch einfach nicht wirklich weiter. Da ich ein Freund davon bin, in einem fremden Land zumindest so viel von der Sprache zu verstehen und zu sprechen, dass ich meinen Weg finde, schrieb ich mich vor sieben Wochen an der hiesigen Universität ein, um Malaysisch zu lernen.

Die erste Malaysischstunde

Meine erste Malaysischstunde war sehr interessant. Ich habe eine malaysische Lehrerin, die sehr streng im Frontalunterricht den Unterricht leitet. Dazu gehört auch, dass die Männer in meinem Kurs den Raum mit kurzen Hosen nicht betreten dürfen. Im Unterricht selbst sprechen wir Studenten eigentlich keinen einzigen Satz Malaysisch. Der Unterricht findet hauptsächlich auf dem Papier statt. Ab und an werden einige Vokabeln von unserer Lehrerin abgefragt und wehe, diese kann man nicht. Dann bekommt man sofort einen verbal auf den Deckel.

In meinem Kurs sitzen Menschen aus China, Thailand, Jordanien, Irak, Somalia, Bangladesch, Pakistan, Singapur und ich. Alle ausländischen Studenten, die hier ihren Phd oder Master machen, müssen diesen Malaysischkurs absolvieren. Interessant dabei ist, dass man in Singapur eigentlich auch Malaysisch spricht. Dennoch muss mein Kommilitone diesen Kurs absolvieren. Das ist hier typisch. Alles muss so gemacht werden, wie vorgegeben. Wenn alle ausländischen Studenten diesen Kurs absolvieren müssen, müssen es auch die Singapurer, denn die sind ja auch Ausländer. Mir kommt das gerade zu Gute, denn der Herr kann mir bei einigen Unklarheiten helfen.

An sich ist Malaysisch eine recht einfache Sprache. Es gibt keinerlei Fälle, wie im Deutschen. Die Mehrzahl wird häufig durch Verdoppelung des Wortes gebildet. Bei Elefant (gadjah) wäre das dann: gadjah-gadjah. Eigentlich total einfach. Dummerweise gibt es dann doch viele Ausnahmen. Denn der Schmetterling heißt schon rama-rama und rama-rama-rama-rama gibt es nicht 🙂 . Dann muss man sich anderweitig behelfen. Wie? Das weiß ich noch nicht.

Achtung: jetzt wird’s fachlich!

Die Tageszeiten – etwas anders als in Deutschland

Von morgens 1:00 bis 11:59 sagt man hier:    Guten Morgen – Selamat pagi
Von mittags um 12:00 bis 13:59 sagt man:    Guten Tag (bzw. Guten Mitttag) – Selamat tenggah hari
Von nachmittags um 14:00 bis 18:59 sagt man:    Guten Abend – Selamat petang
und von 19:00 bis 0:59 sagt man (auch, zur Begrüßung!):    Gute Nacht – Selamat malam

Englische Wörter im Malaysischen

Im Grunde werden nur der Satzanfang und Eigennamen groß geschrieben. Also ähnlich dem Englischen – aus dem es auch viele Wörter ins Malaysische geschafft haben. Aber etwas anders als erwartet.

bas
texsi
Disember
Jun
Julai
Kelas
restoran
komputer
beg
epal

Na, konntet ihr das lesen und verstehen? Nein? Dann sprecht es einfach mal Englisch aus. 😉

Ist es jetzt klarer? Auf diese Art und Weise findet man hier einige manchmal doch sehr verfremdete Wörter.

Lustige Körperteile

Lustig wurde es dann noch bei den Namen für die Körperteile. Keine Ahnung, wer die sich irgendwann einmal einfallen lassen hat:

kuku – Nagel
kaki – Bein UND Fuß!
gigi – Zähne
pipi – ja, ihr habt richtig gelesen! heißt Wange
mata – Auge

Berufsbezeichnungen – irgendwie alles gleich

So richtig spannend wurde es dann bei den Berufsbezeichnungen. Viele dieser fangen nämlich mit pe oder pen an.
Hier ein paar Beispiele:
penaynyi – Sänger
penyelia – Supervisor
pemandu – Taxifahrer
pembantu – assistent
pekerja – Arbeiter
pelajar – Student
pelacon – Schauspieler
pelayan – Bedienung

Na, noch den Durchblick? Davon git es noch viel mehr….

Klassifizierer

Und ganz schlimm wurde es für mich dann bei den sogenannten Klassifizieren. Diese kennen wir in den europäischen Sprachen eigentlich nicht wirklich. Sodass ich mich damit extrem schwer getan habe. Nach etlichen Jahren Englisch, 5 Jahren Latein, 2 Jahren Spanisch, 2 Jahren Französisch und ein wenig Schwedisch war das etwas, das mir so noch nie begegnet ist.

Bspw. sagt man hier, wenn man den Satz sagt: „Ich habe zwei Fische gekauft“   –  „Ich habe zwei schwanzartige Wesen Fisch gekauft“.
Bei jedem Tier, das man nennt, wird dieser Klassifizierer (ekor) mitgeführt.

Für Menschen verwendet man einen anderen Klassifizierer. In diesem Fall „Person“ (orang). Ein Satz damit wäre dann also sowas wie: Dort arbeiten zwei Person Taxifahrer. (Orang Utan heißt übrigens: Person des Waldes)
Es gibt zudem Klassifizierer für scharfe Dinge, wie Messer, Gabel, Nadeln (bilah)
für dicke, viereckige Dinge wie Häuser, Autos, Bücher, Betten, Möbel und Gebäude (buah)
für rundliche Dinge wie Tassen, Bälle, Eier, Schüsseln, Obst und Murmeln (biji)
für flache dicke Objekte wie Bretter, Briefmarken, Geburtstagskarten, Toastscheiben und Plätzchen (keping)
für dünne flache Objekte wie Blätter, Papier, Flaggen, Taschentücher, Hosen, Shirts (alles, was aus Stoff ist) (helai)
für stangenförmige Dinge wie Bäume, Zigaretten, Stifte, Kerzen und ja, auch Flüsse und Straßen (warum auch immer…) (batang)
für Dinge, die es nur im Paar gibt wie Socken, Ohrringe, Brille, Handschuhe, Schuhe, Anzüge. (pasang)
und für Dinge, die klein und viereckig sind, wie Butter, Seife, Brot. (buku)

Und um das ganze noch zusätzlich zu verkomplizieren findet man dann bspw., dass man das Wort buah (der Klassifizierer für dicke viereckige Dinge) zusätzlich für sämtliches Obst verwendet. Das macht dann aus bspw. „5 Mango“ im Deutschen „5 biji buah mangga“ im Malaysischen. (Nicht zu verwechseln mit den viereckigen großen Dingen, die ebenfalls buah sind.)

Ein „buku“ ist eigentlich ein Buch. Allerdings ist buku auch ein Klassifizierer. Aber nicht für Buch, sondern für Brot, Seife usw. Der Klassifizierer für Buch ist dann buah, da es sich beim Buch um ein großes viereckiges Ding handelt. Also ist „1 Buch“ im malaysischen „1 buah buku“ und eine Butter „1 buku mentega„.

Achso, noch eins, wenn ich auf dem Markt gehe und sagen wir 3 Äpfel haben möchte, dann muss ich sagen: 3 runde Früchte Äpfel grün, also „3 biji buah epal hijau„. Adjektive kommen hier nämlich NACH dem Nomen.

Ein paar weitere Besonderheiten der Sprache sind:
Das Wort saya heißt ich. Aber nur, wenn es am Satzanfang steht. Wenn es mittendrin steht und ein Wort wie Vater, Freund, Auto davor steht, dann wird es zu mein. Es gibt auch zwei unterschiedliche Formen von Wir. Einmal gibt es „wir“ indem die Person, die angesprochen wird inkludiert ist kita und ein anderes „wir“, wo sie exkludiert ist kami.

Wenn dir der Durchblick jetzt komplett abhanden gekommen ist, das macht gar nichts! Hast du ihn behalten, Hut ab, dann ab nach Malaysia!

Prüfung

Letzten Samstag war dann auch schon die erste von insgesamt 4 Prüfungen. Die Klausur war für 2 Stunden ausgelegt, nach 55 Minuten habe ich als zweite von ca. 300 Studenten abgegeben. Einige Vokabeln sind mir einfach überhaupt nicht eingefallen und manche Fragen habe ich nicht wirklich verstanden. Mei Magen fing an böse zu grummeln und schmerzte tierisch. Ich fuhr direkt nach Hause und lag 5 Tage lang mit einer leichten Lebensmittelvergiftung flach. Mittlerweile geht es mir wieder besser.

Von meinen Kommilitonen habe ich erfahren, dass sie vorgestern schon ihre Note erhalten haben.
Das Notenspektrum reicht hier von C = min. 40%, B = min. 60% bis A = min. 80%. Alles unter 40% ist durchgefallen.
Interessanterweise ist der Mann aus Singapur durchgefallen. Ich glaube, er hat das Ganze etwas unterschätzt.
Ich habe eben erfahren, dass ich ein A habe. So kann es weitergehen. Vielleicht kann ich die Sprache dann hinterher tatsächlich irgendwann auch sprechen. Wäre wünschenswert. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ein schönes Wochenende wünsche ich euch.

Comments (4)

  • Jochen (aus Herdecke)

    Wie ist denn die mündliche Prüfung gelaufen?

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    • Kerstin

      Die habe ich bestanden. Mit einer eins. 😉

      reply
  • Jasmin

    Wenn auch etwas spät, aber herzlichen Glückwunsch! Hört sich ja alles sehr aufregend an 🙂

    reply
    • Kerstin

      Oh ja! Am Montag habe ich mündliche. Mal schauen, wie die läuft.

      reply

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