18Sep
2016
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Der Tag des Umzugs – Teil 2

Nachdem ich wieder Netz und etwas Zeit habe, hier die Fortsetzung des Umzugs:

Am nächsten Morgen wurden die Kissen und Decken wieder in der Luftfrachtkiste verstaut und die Kinder für den Kindergarten angezogen. Ein wenig Toastbrot war noch im Kühlschrank zu finden. Da aber der Toaster schon verpackt war (nur die Kaffeemaschine war noch draußen, denn die brauchte ja der Teamleiter), wurden die Toastscheiben im Backofen getoastet. Das ging auch super.

Frühstück im Backofen

Okay, die Grillfunktion des Backofens hat den ersten Stoß Toasts total verbrannt. Dennoch konnten wir noch gut frühstücken. Wir saßen dabei am Schreibtisch auf unseren Küchenstühlen, denn alles andere war ja schon verpackt.

Als wir gerade fertig waren mit dem Frühstück, kam auch schon die Umzugsmannschaft. Diesmal zu sechst.

Von Arbeitsschutz hatte dort allerdings scheinbar auch noch niemand etwas gehört, denn einer der Mitarbeiter trug Stoffschuhe!!!

Ich brachte die Kinder erst mal in den Kindergarten, vorher musste ich aber dem einen Mitarbeiter, der etwas Deutsch sprach noch zeigen, was denn aus dem Keller mitkommt. Außerdem gab ich ihm einen Ersatzschlüssel für die Wohnung.

Als ich nach über einer Stunde wiederkam, war in der Wohnung nicht wirklich viel passiert. Ich ging in die Küche und fing an, den Kühlschrank und das Gefrierfach zu leeren. Die noch im Tiefkühlfach befindlichen Tupperdosen wurden geleert und gespült. Außerdem musste auch die Kaffeemaschine noch gesäubert werden. Irgendwann lief der Teamleiter durch die Gegend und schrieb auf jeden Karton eine Nummer. Diese schrieb er auch in irgendeine Liste. Dann leerte sich die Wohnung schlagartig. Da mir am Vortag gesagt wurde, dass der Container für die Seefracht gegen 13:00 Uhr da sein sollte, ging ich davon aus, dass die Herren die Kisten schon mal nach unten tragen, damit sie später nicht so viel laufen müssen. Nachdem ich um eine weitere leere Kiste für die Tuppersachen und Kaffeemaschine bat, wurde ich vom Teamleiter schon fast zur Schnecke gemacht. Das hätte am Vortag schon fertig gemacht werden sollen, der Container wäre schon seit einer Stunde da und fast fertig beladen. Es war 11:00 Uhr morgens.

Ich beeilte mich, die restlichen Sachen noch zu trocknen, was sich aufgrund nur eines einzigen noch übrigen und mittlerweile ziemlich nassen Geschirrtuchs als große Herausforderung herausstellte. Endlich in einem Karton verpackt, musste dieser natürlich auch noch eine Nummer erhalten. Als die Herren fast alles runter getragen hatten, ging ich ebenfalls raus und schaute mal im Container nach. In diesem Moment wurde ein nicht zugeklebter 20cm weit offen stehender Karton in den Container beladen. In diesem befand sich mein mobiles Fotostudio! Es standen drei Mitarbeiter drum herum und keiner bemerkte es. Ich rief ihnen zu, sie sollen diesen Karton bitte zukleben. Sie hatten aber kein Klebeband im Container und mussten natürlich wieder zurück in die Wohnung laufen. Alle anderen Mitarbeiter waren in der Zwischenzeit ebenfalls draußen zugange. Richtig blöd nur, dass in diesem Moment die Wohnungstür zuknallte, mein Schlüssel noch in der Küche lag. Der Mitarbeiter, dem ich den Ersatzschlüssel gegeben hatte, hatte ihn in seiner Weste. Und diese lag ebenfalls in unserer Wohnung.

Da die Herren weder eine Leiter noch sonst eine Idee hatten, wie man denn durch das offene Kinderfenster im ersten Stock wieder in die Wohnung käme, holte ich nach einigen Versuchen, über die Nachbarwohnung auf unsere Terrasse zu kommen (war leider keiner zu Hause) zusammen mit einem der Mitarbeiter aus der Tiefgarage eine große Leiter und ein Mitarbeiter „stieg bei uns ein“. Die Tür war schnell wieder geöffnet. Kurze Zeit später war die Seefracht verladen. So dachte sich der Teamleiter das scheinbar. Ich ging noch mal durch sämtliche Räume und Schränke und fand im Bad noch vier Kisten, von denen eine noch immer nicht zugeklebt war, im Keller fanden sich noch hinter der Tür die Verstrebungen für unser Kellerregal und in den Schränken waren noch Dinge zu finden, die noch eine komplette Kiste füllten. Diese packte ich dann noch ein. Nachdem sie auch noch eine Nummer bekam, ging sie ebenfalls mit in den Container und die Türen wurden geschlossen und der Container verplombt.

verplombt

Dann wurde erst einmal Mittagspause gemacht.

Anschließend ging es dann an das Abmontieren der Küche. Torsten kam in diesem Moment gerade von der Arbeit und wir ließen die Herren alleine. Wir wären sowieso im Weg gewesen und gingen zur Nachbarin, die an diesem Tag noch Geburtstag hatte. Nach einem kurzen Imbiss dort, holte Torsten Alyssa und Anabel vom Kindergarten ab. In der Zwischenzeit kam Daniela noch zum Helfen und als moralische Unterstützung vorbei. In der Wohnung angekommen, bot sich mir ein Bild des Grauens:

Die Fronttür des Backofens lag in Einzelteilen zersprungen auf dem Fußboden.

Backofen

Die komplette Arbeitsplatte unserer Küche war zersägt worden (okay, dass dachte ich mir vorher schon.)

Das dreckige Siphon der Spüle war – obwohl ich darauf hinwies, dass das Müll sei – in einem Umzugskarton verschwunden und wurde für 3 Jahre auf Lager geschickt… Ich freue mich jetzt schon darauf, diesen Karton zu öffnen….

Dann machten sich die Herren an den Transport unseres neuen Esstisches. Vollholz. Ausziehbar auf 3 Meter. Schwer und sperrig.

Sie kamen natürlich nicht aus der Haustür heraus. Also wurde der Tisch kurzerhand wieder aus der Luftpolsterfolie geschnitten. Dann stellten die Herren fest, dass sie zum Zerlegen des Tisches Werkzeug benötigen. Ich hörte den Teamleiter nur noch sagen „Keine Werkzeug, keine Werkzeug“. Das schrieb ich Torstens so per SMS und er dachte, ich mache einen Witz. Leider nein. Völlig verzweifelt rief ich ihn an und fragte, wo er denn sei. Er saß seelenruhig mit den Kindern auf dem Spielplatz und aß ein Eis. Waaaaaaahhhhhh.

In der Zwischenzeit kratzte der Teamleiter an allen nur erdenklichen Stellen an unserem Tisch herum. Er suchte wohl eine Möglichkeit, die Tischbeine abzumontieren. Irgendwann fiel jemandem auf, dass die eine Seite der Tischbeine Muttern drin hatte. Diese haben sie dann auch geschafft aufzuschauben und konnten so zwei Tischbeine abnehmen. Damit stand dem Abtransport des Tisches nichts mehr im Wege. Leider hatten sie vergessen, den Tisch wieder einzuwickeln. Er wurde vorm Haus auf zwei Lastenschieber verpackt und von vier Mitarbeitern zum LKW geschoben. Der hintere Schieber blieb auf der Mitte der Strecke an einer Kante hängen, der Tisch rutschte vom Schieber und einer der Mitarbeiter konnte ihn gerade noch so halten. Dumm nur, dass genau in diesem Moment der Auszieher mit der innenliegenden Tischplatte auf den Boden knallte…

Ob der Tisch dadurch Schaden genommen hat, kann ich nicht sagen. Das wird sich erst in einigen Jahren zeigen, wenn wir den Tisch wieder haben.

Kurze Zeit später war die Wohnung leer und der Teamleiter wollte ein Übergabeprotokoll machen. Toll nur, dass sich im Kinderzimmer noch eine Lampe an der Decke befand (die zweite baugleiche war schon im LKW oder in der Seefracht… keine Ahnung), die Gardinenleisten ebenso. Außerdem lagen in der ganzen Wohnung Glassplitter der Backofentür und die Holzplatten der Küche hat man ebenfalls so hinterlassen, wie man sie hingestellt hatte, mitsamt den Holzspänen.

kueche

Auf Torstens Frage nach besenreiner Hinterlassung kam die Aussage des Teamleiters „er fährt nicht von Nürnberg so weit, um bei anderen Leuten sauber zu machen. Das hätte er auch seinem Chef schon gesagt.“ Und weg war er.

Also parkten wir kurzerhand wieder die Kinder bei Jochen und Sabine und machten die Wohnung wenigstens halbwegs wieder begehbar. Irgendwie sieht Jochen ganz schön geschafft aus, findet ihr nicht?
Geschafft

Zusammen mit Dani schleppten wir noch die übrig gebliebenen Arbeitsplattenstücke und einige andere Möbelteile, die sowieso entsorgt werden sollten, zum Sperrmüllabladeplatz für den nächsten Morgen.

Da die Umzugsmannschaft sich zwar schon aus unserer Wohnung verabschiedet hatte – genaugenommen hatte sich nur der Teamleiter verabschiedet – aber noch draußen beim LKW stand, bekamen Torsten, Daniela und ich noch einen Teil des Telefongesprächs des Teamleiters mit seinem Chef mit: „Ja, wir sind beim Kunden raus. Was hast du mir da für Leute mitgegeben?! Außer deinem Vater hat hier keiner ordentlich gearbeitet. Da ist keine Kiste gekennzeichnet.“

Na das kann ja noch einen Spaß geben. Ich bin mal gespannt, was hinterher tatsächlich bei uns ankommt.

Nachdem die Wohnung wieder halbwegs vorzeigbar war, verabschiedeten wir uns von Daniela und holten um 21:15 Uhr unsere Kinder wieder bei Jochen und Sabine ab. Anschließend ging es noch zu Olli und Nina, wo wir uns für die kommenden Tage einquartiert hatten. Wir aßen lecker Pizza und fielen hundemüde ins Bett.

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